Kultur und Biodiversität

Folgender Text ist einem Standardwerk der Biodiversität entnommen:

Wittig, R. und Niekisch, M.: Biodiversität: Grundlagen, Gefährdung, Schutz
Kapitel 10, S. 252

Ethnologie und Soziologie einerseits, Biologie und Ökologie andererseits sind Wissenschaften, die sich zunehmend miteinander austauschen müssen, um die engen Zusammenhänge von menschlichen Kulturen und Biodiversität umfassend zu erkennen. Die ersten wegweisenden Schritte dazu wurden mit der „Ethnobiologie“ gegangen…

Schnell und fast zwangsläufig ging der biologisch-ethnologische Ansatz über in Fragen intellektueller Besitzrechte, die sich nicht mehr nur – wie im Patentrecht – auf Individuen oder juristische Personen, sondern auf Gemeinschaften bezogen. Längst ist der Biodiversitätsschutz über den Artenschutz hinausgewachsen und zu einem Thema der Erhaltung von menschlichen Lebensgrundlagen und Kulturen geworden.

Die Lebensweisen und Diversität, vor allem von ethnischen Minderheiten und naturnah lebenden Gemeinschaften, sind auf das Engste und vielfältig verknüpft mit dem Zugang zu der Diversität von biologischen Ressourcen. Die Kenntnisse und Traditionen der praktischen Nutzung von biologischen Ressourcen bei traditionellen und indigenen Gemeinschaften sind dabei ein wichtiger und hoch diverser, aber bei weitem nicht der einzige Komplex.

Diversität als Sicherung der Nahrungsversorgung ist essenziell, und der Verlust an Biodiversität bedeutet Verlust an Wohlfahrt, doch auch die geistige Kultur basiert auf Biodiversität. Die Spiritualität und Kosmovision vieler Völker ist direkt gebunden an die natürlichen Gegebenheiten und die Vielgestaltigkeit der lokalen Landschaften, Ökosysteme und Arten.

 

Die in diesem Text aufgezeigten Zusammenhänge sind 1:1 auf die aktuellen Herausforderungen indigener Ethnien, insbesondere auch im Departement Caquetá übertragbar.