Maximale Artenvielfalt am Amazonas

Während die Vegetationsentwicklung in Europa in den Eiszeiten immer wieder unterbrochen wurde und die meisten Pflanzen nach ihrem Rückzug in wärmere Gebiete sich ihren vorherigen Platz wieder zurück erkämpfen mussten, konnten sich Pflanzen und Tiere im Amazonas-Regenwald über Jahrmillionen nahezu ungestört aufeinander einspielen. Das hatte Konsequenzen für Quantität und Qualität: Im Vergleich zu Europa finden wir am Amazonas locker die 20fache Menge an Pflanzen und Tieren – und die Konkurrenz der Lebewesen untereinander um Licht und Nährstoffe äußert sich in mannigfachen Spielarten, u. a. in der Produktion von selbst für den Menschen tödlichen Giften, um sich vor Feinden/Konkurrenten zu schützen.

Mit dem Wort üppig ist die Vegetation am Amazonas am besten beschrieben: Pflanzen wachsen auf-, neben- und übereinander. Niemand kann sich in den Vordergrund drängen, jede Art ist nur mit wenigen Exemplaren vertreten. Dieser Umstand macht im Übrigen die Holznutzung so schwierig: Für das Fällen eines Mahagonibaumes bleiben jede Menge anderer Bäume auf der Strecke. Das ganzjährig feuchtwarme Klima ohne Jahreszeiten erlaubt den immergrünen Pflanzen uneingeschränktes Wachstum.

 

Aufgrund der mehrere Stockwerke umfassenden Baumkronen sind die Lichtverhältnisse am Boden sehr schlecht. Dadurch und durch die vorherrschende Windstille sind der Seh- und der Geruchssinn vieler Tiere eingeschränkt – das Gehör ist aber umso besser entwickelt.

 

Schnellwüchsige Schling- und Kletterpflanzen, die Lianen, erreichen rasch die gut belichteten höheren Baumkronen-Stockwerke, indem sie sich mit ihren Haftwurzeln an Baumstämmen festmachen. Erhalten sie genügend Licht, bilden sie ihre Laubkrone aus und bauen festes Stützgewebe auf.

 

Das pralle Leben im Amazonas-Regenwald lässt auf fruchtbaren Boden schließen. Die Realität sieht aber anders aus: Von Natur aus nährstoffarm erhalten die Böden ihre Nährstoffe fast ausschließlich durch die Zersetzung des auf ihnen liegenden Laubes.

 

Sehr eingängig wird dieses Phänomen unter www.planet-schule.de beschrieben:

„Das wohl Beeindruckendste am Ökosystem Amazonas ist der Umstand, dass sich die ungeheure Vielfalt und Fülle des Lebens auf extrem nährstoffarmen und ausgewaschenen Böden entwickelt hat. Die Natur lebt hier in einem fast geschlossenen Kreislauf buchstäblich von sich selbst. Leider wird genau dieser Umstand dem Regenwald zum Verhängnis. Für die Landwirtschaft frisch gerodete Flächen bringen schon nach kürzester Zeit keinen Ertrag mehr. Eine Spirale, die zu laufend neuer Rodung von Regenwald führt. Die Folge: Am Amazonas werden jährlich die größten Regenwaldflächen weltweit unwiederbringlich zerstört.“